Samstag, 11. November 2017

Rezension " Wolfsfährten " von Andreas Beerlage





Klappentext:
"Eine sachliche Diskussion über den Umgang mit Wölfen ist zwingend nötig." (Andreas Beerlage)

Über 160 Jahre lang war Deutschland wolfsfreie Zone, nun ist er wieder zurück und vermehrt sich jährlich um 30 Prozent. Seine Rückkehr stößt auf ein geteiltes Echo: Während er Wolfskuschlern als Projektionsfläche für romantisch-diffuse Sehnsüchte dient, ist er für Wolfshasser ein personifiziertes Unbehagen.
Der Wolfsexperte Andreas Beerlage wirft einen frischen Blick auf die Themenwelt rund um den Wolf. Warum polarisiert die Rückkehr der Wölfe so sehr? Sind Wölfe wirklich gefährlich? Es gibt einen Weg, Natur und Wildnis in unser modernes Leben zu integrieren.
Mit umfangreicher Wolf-Populationskarte Deutschlands.

Zwischen Faszination und Angst
Alles, was man über Wölfe wissen muss
Ist in Deutschland Platz für Wölfe?
DAS Buch zur Versachlichung der aktuellen Debatte
(Quelle: Gütersloher Verlagshaus)


Fazit:
Der Wolf ist nach Deutschland zurück gekehrt. Langsam aber sicher hat er ein Gebiet neu besiedelt, aus dem er seit über 100 Jahren verschwunden war.
Andreas Beerlage schildert nachvollziehbar und mit belegten Fakten, wie und in welchem Zeitraum der Wolf wieder nach Deutschland eingewandert ist.
Lange haben wir es gar nicht wirklich gemerkt. Selten und in lang auseinander liegenden Zeiträumen haben wir mal von einem Wolf gelesen. Jetzt auf einmal ploppen die Meldungen auf, das es um 150 Wölfe in 46 Rudeln sein sollen.
Huch, wann und wie ist das denn passiert?
Andreas Beerlage gibt die Antworten. Diese Antworten ( ich will sie hier eigentlich nicht wirklich verraten) waren für mich sehr einleuchtend und ich hatte sofort die entsprechenden Bilder vor Augen.
Auch in der Diskussion ob der Wolf nun für uns gefährlich ist, ob ich mich mit dem Kinderwagen noch in den Wald trauen kann, ob meine Hasen im Garten sicher sind gibt Andreas Beerlage gute und durchdachte Antworten.
Die große Problematik der Schäfer und ihrer, doch immer öfter gerissenen Schafe wird auch nicht Außen vor gelassen. Hier wird die Verantwortung eindeutig der föderalen Politik in Deutschland und der mangelnden Zusammenarbeit der einzelnen Bundesländer gegeben.
Klar, Bestimmungen, die wirklich den Schäfern helfen, haben keinen Nutzen, wenn sie nur dem Schäfer in einem Bundesland zur Verfügung stehen, und der Wolf muss nur ein paar Kilometer ins nächste Bundesland laufen und trifft wieder auf Schafe, die nicht ausreichend geschützt werden können....
Fakt ist, dass die Tatsache, das wieder Wolfsrudel in Deutschland leben sehr polarisiert und Fakt ist auch, dass wir irgendwie einen Weg finden müssen mit diesen Wolfsrudeln zusammen in einem Land zu leben, ohne das die Emotionen zu sehr hochkochen.
In diesem Buch werden Wege aufgezeigt und auch Wege, wie ich meine eigenen Vorurteile überwinde.
Vor einigen Jahren ist auch hier, in meiner direkten Umgebung, ein Wolf aufgetaucht. Eigentlich wollte er nur kurz durchs Bild laufen, eine Straße überqueren und wieder verschwinden.
Er ist einige Male gesichtet worden und nie ist es zu einem Kontakt gekommen, er schien einen Weg zu suchen, wo er nicht die Autobahn queren musste.
Doch, wie sollte es anders sein, irgendwann wurde er von den "Richtigen" gesehen und es war unfassbar was für ein Aufruhr entstand. Eine Horde von Männern jagte den Wolf als würde Leib und Leben des ganzen Dorfes auf dem Spiel stehen. In heilloser Panik rannte der Wolf dann auf eine Straße, wurde angefahren und Wochen später, an seinen Verletzungen eingegangen, weit entfernt im tiefsten Wald gefunden.
Ich fand diese Situation damals entsetzlich, auch gerade, weil hier doch die Menschen tagein, tagaus mit Wildschweinen zu tun haben, die bis an die Häuser kommen. Ein Bache mit Jungen ist eine wirklich ungemütliche Begegnung und ein wütender Keiler ebenso.
Da müsste man doch daran gewöhnt sein, dass nicht jedes Tier, das meinen Weg kreuzt, ein Streicheltier ist.
Aber beim Thema Wolf werden vielleicht ganz andere Urinstinkte geweckt.
Von dieser Sicht aus fand ich dieses Buch wirklich sehr gut. Ich weiß nun wesentlich mehr über Wölfe und kann sie besser in unseren Lebensraum einordnen.
Eigentlich hatte ich auch ein paar Bilder in dem Buch erwartet, aber leider wurde ich da enttäuscht. Aber egal, das Buch ist sehr interessant und setzt sich auf einer guten Sachebene mit dem Thema Wolf auseinander, das geht auch ohne Bilder ;)


Vielen Dank an das Gütersloher Verlagshaus für dieses Rezensionsexemplar



Sonntag, 5. November 2017

Rezension " Blutroter Sonntag " von Nicci French



  • C. Bertelsmann Verlag
  • Taschenbuch
  • Frieda Klein Band 7
  • 448 Seiten
  • 2017
  • ISBN: 9783570103166
  • 15 Euro


Klappentext:
In dem gemütlichen Heim von Psychoanalytikerin Frieda Klein wird die Leiche eines Privatdetektivs gefunden ... War Friedas Erzfeind und obskurer Beschützer Dean Reeve der Mörder? Dann überschlagen sich die Ereignisse: Jemand trachtet Frieda nach dem Leben, doch zuvor versucht er sie einzuschüchtern. Ihre Nichte Chloe, Freund Jack, der schwer krebskranke Reuben und Josefs kleiner Sohn - sie alle werden Opfer von Anschlägen. Die Polizei tappt im Dunkeln, aber Frieda ist bald klar, dass die Verbrechen nicht Reeves Handschrift tragen. Doch wer ist der Unbekannte, der ihm nacheifert?

Ein atemloser Thriller, in dem Frieda sich von ihrer verwundbaren Seite zeigt - denn es sind alle bedroht, die sie liebt ...
(Quelle: C.Bertelsmann Verlag)

Kurze Zusammenfassung:
Unter den Bodendielen in Frieda Kleins gemütlichen Wohnzimmer wird die Leiche des Privatdetektiv Stringer gefunden.
Stringer war eigentlich auf Reeve angesetzt und nun liegt er tot in Friedas Rückzugsort.
Für Frieda ist eigentlich sofort klar, das dahinter nur Dean Reeve stecken kann. Doch anscheinend geht es nicht um den Privatdetektiv, denn kurz darauf wird Friedas Nichte Chloe entführt und zwei Tage gefangen gehalten.
Leider ist das immer noch nicht das Ende der Übergriffe auf Friedas Leben. Reuben, ihr bester Freund wird brutal zusammengeschlagen und noch immer glaubt ihr keiner, dass Dean Reeve wieder da ist.
Als allerdings Alexej, Josefs Sohn, entführt wird, weiß Frieda, dass tatsächlich nicht Reeve hinter den anderen Taten steckt, sondern Jemand, der Reeve ebenbürdig werden will und der Frieda Klein immer näher kommt.
Als der Mörder noch nicht einmal vor Friedas Patienten halt macht, muss Frieda handeln ...


Fazit:
Hier hat Nicci French mal wieder einen klasse Krimi abgeliefert. Sehr spannend, sehr englisch und süchtig machend.
Leider, leider habe ich aus der Frieda Klein Reihe bisher nur "Böser Samstag" gelesen und blicke von daher noch nicht so ganz die Rolle, die Dean Reeve spielt. Die Geschichte war trotzdem sehr gut zu lesen und auch gut zu verstehen, allerdings glaube ich, wäre sie noch spannender, wenn ich etwas mehr verstehen würde, was es mit Reeve auf sich hat.
Mir kam hier Frieda Klein stiller und trauriger vor, als in "Böser Samstag", aber hier wird Frieda ja komplett bedroht. Also nicht nur sie selbst, sondern auch ihr gesamtes Umfeld.
Sehr schön fand ich, dass sich die Figuren seit dem letzen Band sehr entwickelt haben und damit auch die Beziehungen gewachsen sind.
Dadurch hatte ich ein Gefühl des Voranschreitens, den Eindruck einer Dynamik, die von einem Buch zum nächsten Buch springt.
Ich muss tatsächlich die ersten 5 Bücher unbedingt und ganz dringend lesen, am besten noch, bevor der 8. und letzte Band der Frieda Klein Reihe erscheint.
Allerdings bin ich irgendwie strickt dagegen, dass diese Reihe enden soll, denn Frieda Klein ist eine ganz tolle Hauptfigur. Nachvollziehbar, lebendig, mit Ecken und Kanten hat sie mein Herz erobert.
Ich kann nur nicht so ganz nachvollziehen, warum sie immer marschieren, wandern und spazieren muss ;) ( Scherz ;) )
Auf jeden Fall hat Frieda Klein mit mir einen neuen Fan, der nun ungeduldig auf den nächsten Band wartet.

Vielen Dank an den C.Bertelsmann Verlag für dieses Rezensionsexemplar.





Samstag, 4. November 2017

Rezension " Seelenmesse " von Geir Tangen


  • Goldmann Verlag
  • Taschenbuch
  • 480 Seiten
  • 2017
  • ISBN: 9783442486519
  • 10 Euro

Klappentext:
Als der Journalist Viljar Ravn Gudmundsson eine anonyme E-Mail erhält, in der sich jemand als Richter ausgibt und ein Todesurteil über eine ortsansässige Frau spricht, tut er das Ganze als schlechten Scherz ab: So etwas passiert 
schließlich nur in mittelmäßigen Krimis. Doch dann wird am nächsten Tag tatsächlich die Leiche dieser Frau gefunden, 
und Viljar erhält eine zweite Mail mit einem neuen Richterspruch. Ermittlerin Lotte Skeisvoll wird schnell klar, dass der Mörder ein Spiel mit ihnen spielt, denn er hinterlässt nicht nur deutliche Spuren - die Morde kommen ihr auch merkwürdig vertraut vor ...
(Quelle: Goldmann Verlag)


Kurze Zusammenfassung:
Viljar Ravn Gudmundsson war einst ein gefeierter Starjournalist. Vor Jahren hat er die tiefsten sexuellen Abgründe bei einem populären Minister aufgedeckt. Gefeiert und berühmt hatte Viljar eigentlich das erreicht, was ein Reporter erreichen möchte, doch leider ließ er durch einen dummen Fehler seinen geheimen Informanten auffliegen. Seitdem hat Viljar keinen großen Coup mehr gelandet und sein Leben wird von Panikattacken und Angstzuständen begleitet.
So schreibt er nun langweile Artikel in seiner kleinen Redaktion und spürt, dass er von einer Kündigung nicht mehr weit entfernt ist.
Inmitten dieser Trostlosigkeit erhält Viljar Ravn Gudmundsson eine Email von einem Stein Amli, in der Stein sich als Richter und Henker bezeichnet und eine Frau richten will, die Geld unterschlagen hat.
Viljar nimmt diese Mail nicht wirklich ernst, aber doch so, dass er sie an die Polizei weiterleitet.
Als am nächsten Tag eine Frau tot aufgefunden wird, die dem Bild der Sünderin, das Stein entworfen hat, entspricht und sogar vermeintlich mit Viljar in Kontakt stand, beginnt Viljars persönlicher Albtraum.
Der Mörder scheint Viljar gut zu kennen und er legt Fährten, die Viljar in das Zentrum der Ermittlungen schieben.
Doch das ist noch nicht genug, denn es gibt weitere Morde und auch Viljars einzige Freundin gerät in Gefahr.


Fazit:
Ein gutes Debüt.
Geir Tangen ist ein norwegischer Buchblogger, der mit " Seelenmesse" vom Blogger zum Autor wurde.
In Seelenmesse wird eigentlich jedes Klischee bedient, dass wir mit nordischen Krimis verbinden und genau das macht diesen Krimi so gut.
Wir haben alles was skandinavische Krimis so bieten: den total zerstörten Helden, den einsamen Ermittler, mehrere Handlungsstränge und Erzählzeiten, die sich irgendwann treffen, Verwicklungen bis in die Politik .... 
Die Morde selbst passieren eigentlich recht unspektakulär, das heißt, wir sind nicht dabei. Das Morden passiert ohne uns und wir sind auch nicht in den Köpfen des Opfers beim Sterben.
Dafür ist das Auffinden des Opfers umso wichtiger und dabei wird der Faden der Geschichte weiter gesponnen.
Das finde ich mal einen angenehmen Perspektivwechsel, denn in vielen Thriller ist das Sterben des Opfers zentral, also unsere Position als Zuschauer ist zentral.
Ich musste das Buch doch mit einer gewissen Konzentration lesen um die einzelnen Handlungsstränge gut zusammenführen zu können, trotzdem haben ich, für meine Verhältnisse, recht lange gebraucht um drauf zu kommen, wer denn hinter Stein Amli stecken könnte.
Geir Tangen hat geschickt mit falschen und richtigen Fährten gespielt und mich gelegentlich an der Nase herumgeführt.
Da ich skandinavische Krimis total gerne lese, bin ich richtig glücklich über diesen neuen norwegischen Autor und ich freue mich, dass es noch weitere Bücher geben soll, die sich um Viljar Ravn Gudmundsson drehen.

Vielen Dank an den Goldmann Verlag für dieses Rezensionsexemplar.