Montag, 16. Oktober 2017

Rezension " Memory Game - Erinnern ist tödlich " von Felicia Yap






  • Penhaligon Verlag
  • 445 Seiten
  • 2017
  • Taschenbuch
  • ISBN: 9783764531829
  • 14,99 Euro


Klappentext:
Wie findet man einen Mörder in einer Welt, in der es keine Erinnerungen gibt?

In Claires Welt gibt es zwei Arten von Menschen: solche, die wie sie sind und sich nur an die Ereignisse des vorangegangenen Tages erinnern können, und solche wie ihren Ehemann Mark, deren Gedächtnis zwei Tage zurückreicht. Claire hat nur eine Verbindung zu ihrer Vergangenheit: ihr Tagebuch. Was sie nicht rechtzeitig aufschreibt, geht für immer verloren. Eines Morgens steht die Polizei vor Claires Tür. Die Leiche einer Frau wurde im Fluss gefunden. Nach Aussage der Beamten war sie Marks Geliebte und er wird des Mordes verdächtigt. Sagt die Polizei die Wahrheit? Kann Claire ihrem Ehemann vertrauen? Und vor allem: Kann sie sich selbst vertrauen?
(Quelle: Penhaligon Verlag)


Kurze Zusammenfassung:
Im Fluss, nicht weit von Claire und Mark Evans Haus entfernt, wird die Leiche einer Frau gefunden.
Da die Tote, Sophia, noch nicht lange aus der geschlossenen Psychiatrie entlassen wurde, scheint es vielleicht Selbstmord gewesen zu sein.
Doch DCI Hans Richardson fallen recht schnell einige Ungereimtheiten auf und er findet eine Verbindung zwischen Sophia und Mark.
Mark, treusorgender Ehemann und aufsteigender Politiker kann sich keinen Skandal erlauben und leugnet zuerst die Verbindung und stellt sie dann oberflächlicher dar, als sie eigentlich gewesen ist.
Für Hans Richardson ist klar, dass Mark Evans irgendwie in den Todesfall verwickelt ist und auch Claire Evans beginnt an ihrem Mann zu zweifeln.
Was nun sehr einfach erscheint, birgt aber für Claire und Hans ein großes Problem. Beide müssen innerhalb diesen einen Tages so viele Informationen wie möglich sammeln und am Besten schon die Lösung in der Hand halten, denn Beide sind Monos.
Ein Mono hat nur ein Kurzzeitgedächtnis von einem Tag, alle Erinnerungen davor, die weder im Langzeitgedächtnis, noch in einem Tagebuch gesichert sind, gehen unwiederbringlich verloren.
Für Hans ist die Situation besonders brisant, denn er wird offiziell als Duo geführt, als jemand der ein Kurzzeitgedächtnis von zwei Tagen hat. 
Niemand weiß, dass er nur ein Mono ist und sollte dies herauskommen, wäre seine Karriere beendet ...

Fazit:
Die Geschichte findet eigentlich auf keiner Metaebene statt, man erfährt sie vielmehr aus der Sicht von Claire, Sophia, Hans und Mark. Abwechselnd liest man aus deren Perspektive und befindet sich sozusagen im Kopf des Betreffenden.
Wir sehen dadurch nur das, was die jeweilige Person weiß und neu dazu erfährt. Manchmal wissen wir mehr als Claire, weil wir durch Sophias Augen die Vorgeschichte erlebt haben, dann wissen wir wieder mehr als Sophia wusste, da Claire ihre alten Tagebücher nachliest.
Mark weiß sehr viel, aber nicht was Claire weiß und Sophia wusste.
Ja, das hört sich sehr verwirrend an, ist es aber eigentlich gar nicht.
Langsam werden wir aus den unterschiedlichen Perspektiven zum Kern hingeführt und erleben dabei den Zeitdruck, denn die Protagonisten haben, da der Verlust der Erinnerungen droht. 
Felicia hat das Gesellschaftsbild in "Memory Game" sehr stimmig entwickelt und man kann die Lebenssituation der Personen gut nachvollziehen. Das Bild ist so ausgefeilt, dass in Bezügen auf eine Gesellschaft mit kompletten Gedächtnis, also unsere Gesellschaft, diese schon fast absurd wirkt.
Ich fand das Buch sehr spannend, noch nicht mal unbedingt die Lösung des Falles, sondern vielmehr war es sehr spannend zu sehen, wie die verschiedenen Personen trotz ihres Handicaps zur Lösung kommen.
Die Idee einen Mord so ermitteln zu lassen ist echt schon genial und die Figuren können die Geschichte gut entwickeln und tragen.
Dieser Roman ist das Debüt von Felicia Yap und ich finde es absolut gelungen

Vielen Dank an den Penhaligon Verlag für dieses Rezensionsexemplar





Dienstag, 10. Oktober 2017

Rezension " Oxen - Das erste Opfer " von Jens Henrik Jensen




  • Taschenbuch
  • Oxen Band 1
  •  dtv Verlag
  • 460 Seiten
  • 2017
  • ISBN: 9783423261586
  • 16,90 Euro



Klappentext:
Der Nr. 1-Bestseller aus Dänemark
Niels Oxen, ein schwer traumatisierter Elitesoldat, zieht sich in die Einsamkeit der dänischen Wälder zurück, um seinen inneren Dämonen zu entkommen. Doch bei einem nächtlichen Besuch des Schlosses Nørlund wird er zum Hauptverdächtigen in einem Mordfall: Hans-Otto Corfitzen, Exbotschafter und Gründer eines Thinktanks, wurde auf dem Schloss zu Tode gefoltert. Oxen gerät in die Fänge des dänischen Geheimdienstes. Seine einzige Chance: Zusammen mit der toughen Geheimdienstmitarbeiterin Margrethe Franck muss er die wahren Täter ausfindig machen. Die Spuren führen zu einem übermächtigen Geheimbund.
(Quelle: dtv Verlag)

Kurze Zusammenfassung:
Niels Oxen möchte einfach nur noch seine Ruhe haben ... und vielleicht sein Leben doch noch auf die Reihe bekommen.
Also packt er seine Sachen zusammen und zieht in einen Wald.
Das Leben im Wald hat er sich viel einfacher vorgestellt, aber es ist kalt, regnet ohne Unterlass und der Frühling will einfach nicht kommen.
Langsam hat er nichts mehr zu essen, Whisky und Gras geht auch zur Neige und Niels Oxen muss aus seinem Waldversteck herauskommen.
Bei seinem ersten Gang hat er sofort Glück und bekommt in einem Restaurant reichlich zu Essen geschenkt.
Durch diesen Ausflug mutig geworden beschließt er das angrenzende Schloss "Norlund Slot" zu besuchen.
Im Schutze der Dunkelheit klettert er über die Hecke und bereut es eigentlich sofort.
Statt sich die Zeit im Schlosspark zu vertreiben stolpert er über einen toten Wachmann und läuft vor einen erhängten Hund.
Schnell zieht er sich zurück und verkriecht sich wieder in den Wald.
Doch die Geschehnisse sind schon angestoßen und Niels sieht sich plötzlich als Hauptverdächtiger in einem Mordfall.
Corfitzen, der Schlossbesitzer ist tot und Niels der perfekte Verdächtige....

Fazit:
Ich.Will.Den.Zweiten.Band.SOFORT.
Jens Henrik Jensen hat einen intelligenten und spannenden Thriller geschrieben, der alle Elemente des nordischen Krimis beinhaltet.
Von der Verschwörung, über den gescheiterten Ermittler bis hin zu politisch hochbrisanten Geschehnissen.
Immer wieder werden wahre Fakten mit eingebaut, sodass die Geschichte einen anderen Realismus bekommt.
Der Balkankrieg nimmt einigen Raum ein und Jensen beschreibt ungeschminkt die grausamen Dinge die dort vorgefallen sind und die wir nur zu gerne überhört und vergessen haben.
Letzten Sommer habe ich mich lange mit einem Kroaten unterhalten, der die Gräuel des Krieges als Kind und nicht als Täter erlebt hat. Dadurch konnte er über vieles reden, was die Älteren lieber verschweigen.
Das was er beschrieb und die Stimmung, die er dabei bekam entspricht in etwa dem, was Jensen in Oxen beschreibt und auch die Stimmungen sind relativ Deckungsgleich.
Ich persönlich finde es gut, dass dieser Fakt der europäischen Geschichte etwas Beachtung bekommt, nicht nur in Form eines Thrillers, sondern es wird sich auch politische damit auseinandergesetzt (zumindest am Rande).
Niels Oxen, eine supergescheiterte Gestalt, die gar nichts mehr geregelt bekommt, macht in dem Buch eine enorme und nachvollziehbare Entwicklung durch. Ich bin schon ganz gespannt, wie Oxen sich im zweiten Band schlägt, denn in diesem Buch war er sehr außer Form und psychisch sehr labil.
Sollte sich die Stabilisierung im zweiten Band fortsetzen, dürfte Oxen wahrlich zum Fürchten sein ;)
Der Thriller ist als Mehrteiler angelegt, aber man kann durchaus auch nach dem ersten Band Schluss machen, das Buch ist in sich geschlossen.
Klasse Geschichte, super Thriller, gelungenes Buch, ich habe es gerne gelesen.

Sehr aufregend finde ich, dass ich auf der Buchmesse ein Meet & Greet mit Jens Henrik Jensen habe.
Dabei muss ich ihn unbedingt fragen, warum die Nordländer so einen Hang zu politischen Verschwörungen haben, bzw. so gerne darüber schreiben.




Rezension " Die Optimierer " von Theresa Hannig




  • Taschenbuch
  • Bastei Lübbe Verlag
  • 304 Seiten
  • 2017
  • ISBN: 9783404208876
  • 10,00 Euro



Klappentext:
EIN PREISGEKRÖNTES DEBÜT! Ausgezeichnet mit dem Stefan-Lübbe-Preis ... Im Jahr 2052 hat sich die Bundesrepublik Europa vom Rest der Welt abgeschottet. Hochentwickelte Roboter sorgen für Wohlstand und Sicherheit in der sogenannten Optimalwohlökonomie. Hier werden alle Bürger von der Agentur für Lebensberatung rund um die Uhr überwacht, um für jeden Einzelnen den perfekten Platz in der Gesellschaft zu finden.

Samson Freitag ist Lebensberater im Staatsdienst und ein glühender Verfechter des Systems. Doch als er kurz vor seiner Beförderung beschuldigt wird, eine falsche Beratung erteilt zu haben, gerät er in einen Abwärtsstrudel, dem er nicht mehr entkommen kann. Das System legt alles daran, ihn zu optimieren ... ob er will oder nicht.
(Quelle: Bastei Lübbe Verlag)

Kurze Zusammenfassung:
Samson Freitag führt ein gutes Leben in das er auch perfekt hinein passt. Er ist Lebensberater, wohnt mit seiner Freundin Melanie zusammen und braucht nur noch 20 Sozialpunkte bis zur nächsten Beförderung.
An manchen Ecken hakelt es ein bisschen, Melanie ist nicht so überzeugt vom System wie er, seine Eltern sind gar nicht vom System angetan und Freunde hat er auch nicht wirklich.
Aber Samson geht in seiner Arbeit auf und schreibt mit Hingabe Korrekturverweise um Sozialpunkte zu sammeln.
Das Datensammeln und die Bewältigung des Alltages passiert mittels einer Kontaktlinse und eines Tages verträgt Samson diese Linse nicht mehr.
Damit wird das Leben beschwerlicher. Im Büro kann er die Linse mit einer Datenbrille kompensieren, doch außerhalb des Büros kann Samson nun noch nicht einmal einen Aufzug bedienen.
Auch seine Gesundheitsdaten sind nicht mehr optimal, was Samson aber geflissentlich ignoriert. Er fiebert vielmehr mit ganzer Kraft seiner Beförderung entgegen.
Diese kleinen Gesundheitsprobleme sind allerdings erst der Anfang einer Lawine, die Samson Freitag innerhalb von Tagen überrollt und seine ganze bisherige Existenz vernichtet.
Samson steht nur vor der Entscheidung entweder gegen das System zu kämpfen oder sich mit aller Kraft zurück ins System zu arbeiten.

Fazit:
Ein hervorragendes Debüt und meiner Meinung nach zurecht preisgekrönt.
Theresa Hannig hat eine stimmige Dystophie entwickelt, die eigentlich eine nahtlose Weiterentwicklung unserer Gesellschaft sein könnte. Beziehungsweise ist es durchaus vorstellbar, dass sich aus uns vielleicht mal ein solches System entwickeln könnte.
Von daher sind viele Elemente der BEU, Bundesrepublik Europa, sehr vertraut und man ist sofort mittendrin im Buch.
Samson ist eigentlich ein fader, unscheinbarer Mann, der auch mein Nachbar sein könnte und seine Kollegen könnten auch in jedem Büro Deutschlands sitzen.
Es ist also gar nicht so viel fremd in dem Buch, in der Geschichte. 
Manchmal sind Dystopien ja schon sehr weit von uns entfernt und werden damit auch sehr abstrakt.
Die "BEU" allerdings ist sehr nah an uns dran und gibt mir damit auch die Chance unsere eigene Gesellschaft zu reflektieren und zu hinterfragen.
Aber ich will gar nicht so politisch werden, denn das wäre nur eine Seite des Romans.
Die andere Seite ist die einer sehr lebendigen Geschichte die einen schnell mitreißt. Ich konnte Samson und seine Verzweiflung nur zu gut verstehen, er wollte eigentlich alles nur in Ordnung bringen und je mehr Ordnung er schaffen möchte, desto nachdrücklicher geht seine kleine Welt unter.
Oh ja, dass kenne ich auch zu gut ;)
Mir hat das Buch sehr, sehr gut gefallen und ich mag auf jeden Fall irgendwann einen zweiten Band in den Händen halten ( den es hoffentlich geben wird?)

Vielen Dank an den Bastei Lübbe Verlag für dieses Rezensionsexemplar