Dienstag, 13. Juni 2017

Rezension " Ausgeliefert " von Lee Child


  • Jack Reacher Nr.2
  • Taschenbuch
  • Blanvalet Verlag
  • 576 Seiten
  • 2017
  • ISBN: 9783734105135
  • 10,99 Euro


Klappentext:
Ein Mann und eine Frau treffen zufällig auf einer Straße in Chicago zusammen. Plötzlich tauchen zwei Männer auf und entführen die beiden mit vorgehaltener Waffe. Sie werden mit Handschellen aneinandergekettet, in einen Lieferwagen geworfen und in die tiefen Wälder Montanas gebracht. Die Frau ist Holly Johnson, Agentin des FBI und Tochter eines der ranghöchsten Generäle Washingtons. Der Mann ist Jack Reacher ...
( Quelle: blanvalet Verlag )

Kurze Zusammenfassung:
Jack Reacher geht eigentlich nur zufällig an einer Ladenzeile entlang als vor ihm eine Frau ihre Krücken fallen lässt. Jack hebt sie auf, reicht sie der Frau und gerät damit in einen Strudel von Ereignissen, die er kaum noch kontrollieren kann.
Er und die Frau werden entführt und in einem Lieferwagen quer durch die Vereinigten Staaten transportiert.
Recht schnell erschließt Reacher eine Fluchtmöglichkeit für sich, doch die Frau, Holly müsste zurückbleiben.
Damit ist der Gedanke an Flucht für Reacher erst einmal beendet.
Nach und nach findet er heraus, dass Holly nicht nur FBI Agentin ist, sondern auch die Tochter eines ranghohen Generals und noch ein Geheimnis birgt Holly.
An ihrem Ziel angekommen stell Reacher fest, dass auch hier eine Flucht fast ausgeschlossen ist, er befindet sich in einem gut gesicherten Lager rechtsradikaler Amerikaner, die einen neuen Staat ausrufen wollen. Ihre Ziele setzen sie auch mit gnadenloser Gewalt durch.
Doch ist die Ausrufung des neuen Staates das einzige Ziel ....?

Fazit:
Bisher hatte ich Reacher noch nicht kennen gelernt, mich hatte nur immer fasziniert, dass auch viele Männer diese Romane lesen.
Also ist es nun an der Zeit auch Freundschaft mit Reacher zu schließen und das ist mir gut gelungen.
Das war ein rasanter Roman, der einen fast makellosen und doch ungeheuer sympathischen Helden präsentiert.
Reacher kann fast alles: kämpfen, schießen, klug denken, loyal sein, Probleme lösen und anscheinend auch gut küssen ;)
Solch einen Helden habe ich ganz gerne mal in meinem Wohnzimmer und genieße das rasante Tempo in dem er Gegner ausschaltet und die Welt wieder in Ordnung bringt.
Es war ein leichter Thriller, der wirklich gut und schnell zu lesen ist und beim Lesen auch Spaß macht.
Eine kleine Portion Erotik ( wirklich nur klein) und eine große Portion "Hau drauf", umgeben von einer glaubhaften Geschichte mit gut ausgearbeiteten Protagonisten .... 
Was will ich an einem Sommertag, oder Regentag oder abends im Bett mehr?

Vielen Dank an den blanvalet Verlag für dieses Rezensionsexemplar




Rezension " Murder Park " von Jonas Winner




  • Broschiertes Buch
  • Heyne Verlag
  • 414 Seiten
  • 2017
  • ISBN: 9783453421769
  • 12,99 Euro


Klappentext:
Zodiac Island vor der Ostküste der USA: ein beliebter Freizeitpark - bis dort ein Serienmörder drei junge Frauen auf bestialische Weise tötet. Der Täter Jeff Bohner wird schnell gefasst, der Park aber geschlossen. Die Schreie der Opfer scheinen vergessen zu sein. 20 Jahre später: Die Insel soll zur Heimat werden für den Murder Park - eine Vergnügungsstätte, die mit unseren Ängsten spielt. Paul Greenblatt wird zusammen mit elf weiteren Personen auf die Insel geladen. Und dann beginnen die Morde.
Ein Killer ist auf der Insel ...keiner kann dem anderen trauen ...die nächste Fähre kommt erst in drei Tagen ...
(Quelle: Heyne Verlag )

Kurze Zusammenfassung:
Vor 20 Jahren verlor Paul Greenblatt seine Mutter. Sie wurde grausam auf Zodiac Island ermordet und sie war das letzte Opfer des Serienmörders Jeff Bohner.
Jeff Bohner wurde gefasst, hingerichtet und der Freizeitpark wurde geschlossen.
Paul hingegen kann sich an die Geschehnisse dieser Nacht nicht mehr wirklich erinnern aber die Umstände ließen ihn nie mehr los. So wurde er Polizeireporter und beschäftigt sich mit Serienmördern.
Nun soll auf Zodiac Island ein neuer Freizeitpark eröffnen, der Murder Park. Umgeben von Relikten bekannter Serienmörder dürfen hier Singles in spannender Atmosphäre neue Partner kennen lernen. 
12 Mensche, darunter auch einige Reporter kommen auf die Insel um den Murder Park vor Eröffnung zu testen und im besten Falle eine gute Beurteilung abzugeben.
Paul Greenblatt ist unter den zwölf Teilnehmer und eigentlich war er sich vor Ankunft nicht recht sicher, ob es eine gute Idee sei an diesen Ort zurückzukehren,
Eigentlich ist sich kaum ein Teilnehmer sicher, ob es gut ist auf dieser Insel zu sein, denn alle sind irgendwie mit Jeff Bohner und der Insel verbunden.
Die Atmosphäre ist nicht einladend, das beginnende Partnerspiel "Wer ist der Mörder" ängstig die Teilnehmer und ein gewisses Misstrauen macht sich breit.
Der Psychiater Lazarus Sheldon ergreift als erstes die Initiative und will die Insel fast sofort wieder verlassen, doch es gibt kein Boot, keinen Handyempfang mehr und alle Kontakte zur Außenwelt liegen für die nächsten drei Tage brach.
Dann beginnen die Morde. Jay, das Zimmermädchen wird im Wasser zwischen den Klippen gefunden.
Paul hat kurz zuvor noch mit ihr gesprochen und Jay wusste mehr über den Murder Park und sein Geheimnis als gut war.
Auch Michael wusste mehr und auch seine Leiche wird gefunden.
Ein Mörder ist auf der Insel. Nur auf der Insel oder auch unter den Teilnehmern des Mörderspiels?

Fazit:
Klasse Krimi, der ein bißchen "retro" anmutet und mich von der ersten bis zur letzten Seite gepackt hat.
Der Leser erlebt den Murder Park durch Pauls Augen und Paul ist mit schwerem Gepäck angereist. Er hat den Mord an seiner Mutter auf dieser Insel miterlebt, er hat den Täter gesehen und ist mit vielen Teilnehmern, ohne es zu wissen, verwoben und verbunden. Die Ereignisse treffen Paul im innersten Kern und für ihn verschwimmt immer mehr das Heute und das Gestern. Flashbacks und Halluzinationen suchen ihn heim und er beginnt vor psychischer Belastung sowie vor Müdigkeit die Kontrolle zu verlieren. 
Lazarus Sheldon hat mit allen anderen elf Teilnehmern vor Beginn Gespräche geführt und dort auch schon angedeutet, das Paul ein Risikofaktor sei und damit schon vorab ein generelles Misstrauen gesät. 
Dieses Misstrauen überträgt sich auf den Leser und man beginnt Personen mit Skepsis zu betrachten, von denen man eigentlich genau weiß, dass sie nicht der Mörder sein können. Damit hat einen das Rätselraten gepackt ....
Unterbrochen werden die Geschehnisse auf der Insel von Interviews die Sheldon im Auswahlverfahren mit allen Teilnehmern geführt hat. In diesen Interviews erfährt man mehr über die Insel, über die Teilnehmer und ihre Verbindung zu Paul. Dadurch verdichtet sich die Geschichte und konzentriert sich immer mehr auf das alte Zodiac Island. Die Abgrenzung zwischen dem Murder Park und Zodiac Island verliert sich mehr und mehr und auch der Leser wird zurück in den alten Vergnügungspark geführt. 
Mir hat es ziemlich gut gefallen, wie Jonas Winner es geschafft hat, nicht nur alle Protagonisten auf der Grenze zwischen den Zeiten tanzen zu lassen, sondern auch mich Leser mittanzen lässt.
Die Protagonisten sind in ihren Persönlichkeiten nicht übermäßig ausgearbeitet, manchmal hatte ich den Eindruck, sie werden nur gestreift, aber das ist auch gut so, denn die eigentliche Persönlichkeit der meisten Teilnehmer ist gar nicht wichtig. Wichtig ist, wie Paul sie erlebt und wie Paul sie sieht. Was ich in anderen Romanen eindeutig als Schwäche sehen würde, wird hier zu einer Stärke, denn dieser Kniff fokussiert mich noch mehr auf Pauls Blickwinkel.
Dieser Thriller hat mich wirklich gut unterhalten, spannend, manchmal verstörend und mit einer dichten Atmosphäre. 
Mich hat die Atmosphäre sehr an Hitchcock erinnert .... und das ist  ein dickes Kompliment ;).


Samstag, 10. Juni 2017

Rezension " Die fremde Königin " von Rebecca Gablè




  • Otto der Große Bd.2
  • Bastei Lübbe Verlag
  • Hardcover
  • 768 Seiten
  • 2017
  • ISBN: 9783431039771
  • 26 Euro
Klappentext:
"Könige sind wie Gaukler. Sie blenden die Untertanen mit ihrem Mummenschanz, damit die nicht merken, dass das Reich auseinanderfällt" Anno Domini 951: Der junge Gaidemar, ein Bastard vornehmer, aber unbekannter Herkunft und Panzerreiter in König Ottos Reiterlegion, erhält einen gefährlichen Auftrag: Er soll die italienische Königin Adelheid aus der Gefangenschaft in Garda befreien. Auf ihrer Flucht verliebt er sich in Adelheid, aber sie heiratet König Otto. Dennoch steigt Gaidemar zum Vertrauten der Königin auf und erringt mit Otto auf dem Lechfeld den Sieg über die Ungarn. Schließlich verlobt er sich mit der Tochter eines mächtigen Slawenfürsten, und der Makel seiner Geburt scheint endgültig getilgt. Doch Adelheid und Gaidemar ahnen nicht, dass ihr gefährlichster Feind noch lange nicht besiegt ist, und als sie mit Otto zur Kaiserkrönung nach Rom aufbrechen, droht ihnen dies zum Verhängnis zu werden ... Rebecca Gablé, Bestsellerautorin und Schöpferin der populären Waringham-Saga, hat nun mit ihrem Historienepos "Otto der Große" ein weiteres Meisterwerk geschaffen. Nach "Das Haupt der Welt" ist "Die fremde Königin" der zweite Band der mittelalterlichen Romanreihe.
( Quelle: Bastei Lübbe Verlag )

Kurze Zusammenfassung:
Adelheid von Burgund wird mit zwei Vertrauten und ihrer Tochter Emma in einem Verließ in Garda gefangen gehalten. Adelheids Mann wurde vergiftet und so ging der Thron Italiens auf Adelheid über. 
Berengar von Ivrea nahm sie gefangen um so eine ihre Hochzeit mit seinem Sohn Adalbert zu erzwingen.
Doch Adelheid weigert sich beharrlich, bis sich ihr eines Tages ein Fluchtweg offenbart.
Der Panzerreiter Gaidemar wurde von König Otto geschickt um Adelheid zu befreien und seinem Geschick verdankt Adelheid die Entdeckung des Fluchtweges. 
Während ihrer Flucht durch Wälder und Sümpfe verliebt sich Gaidemar in Adelheid.
Sie ist zwar Königin, doch klug, natürlich und offen.
Gaidemar ist recht schnell klar, dass er als Bastard keine Chance hat Adelheid zu ehelichen, so ist die einzige Möglichkeit in ihrer Nähe zu bleiben Adelheids Vertrauter zu werden.
Als Adelheid Otto heiratet nimmt Gaidemar genau diese Position ein: der Vertraute Adelheids und Ottos. 
In dieser Stellung macht sich Gaidemar einige Feinde, die ihm und auch Adelheid und Otto sehr gefährlich werden können.
Adelheid und Otto führen anfänglich eine Zweckehe, die im Laufe der Zeit harmonischer und erfüllter wird, auch wenn von Beider Söhnen nur der kleine Otto überlebt.
Adelheit selbst füllt ihr Leben mit immer mehr Macht und Einfluß auf die Regierungsgeschäfte ihres Ehemannes.
Gaidemar immer an der Seite ...
Bis eines Tages die Ungarn und Slawen in ihr Reich einfallen. Hier scheint auch wieder nur eine Ehe Frieden stiften zu können ....

Fazit:
Dies war mein erstes Buch von Rebecca Gablè und ich bin schlichtweg begeistert. 
Ich interessiere mich sehr für Geschichte und habe wirklich schon viele Fachbücher gewälzt, deswegen habe ich mich immer etwas gescheut historische Romane zu lesen. 
Wenn da dann das Mittelalter verklärt wird und die großen Gefühle zu viel Raum bekommen mag ich das Buch gleich wieder zuklappen, denn das Mittelalter war alles mögliche aber keine einfache Zeit zum Leben und die großen Gefühle haben eine absolut untergeordnete Rolle gespielt.
In Rebecca Gablès Roman findet man genau diese Stimmung und Sprache, die man auch in geschichtlichen Werken findet und ich kann ihr die Beschreibung der mittelalterlichen Lebensart voll und ganz glauben.
Besonders fasziniert hat mich ihre gründliche und wirklich gute Recherche. Alle geschichtlichen Daten und Zusammenhänge findet man auch so in den Geschichtsbüchern.
Es ist so, als hätte sie mit diesem Roman den trockenen Fakten Leben eingehaucht. 
Auch die Figuren waren für mich absolut glaubhaft. Ob es Gaidemar war, der schon ein Mann seiner Zeit ist und innerhalb der Umstände auf jeden Fall auch ein guter Kerl, aber trotzdem vor einer Brutalität strotzt, die ein moderner Held niemals hätte ... aber den Zeiten in denen er lebt vollkommen entsprechend.
Adelheid ist vielleicht etwas moderner als man im Mittelalter vermuten würde, aber auch hier passt und stimmt es, denn Adelheid musste Ränke und Bedrohungen früh selbst meistern und hat so auch gelernt auf eigenen Füßen zu stehen, bzw. eigene Entscheidungen zu treffen.
Otto passt für mich mit seiner Frömmigkeit gut in das Bild der Herrscher des Mittelalters, die oft sehr in einem eindimensionales Weltbild verhaftet waren. 
Die christliche Färbung, die in der Regel aus " von der Kirche/ Gott abgesegnet, also gut" und " nicht kirchenkonform also schlecht" wird von Otto gut transportiert und glaubhaft präsentiert.
Auch alle anderen Figuren, ob Randfiguren oder mehr oder weniger tragend, sind alle gut ausgearbeitet und tragen mit ihrem Charakter zu einem runden Bild der damaligen Zeit bei.
Zum Glück ist auch ein toller Stammbaum in dem Buch, so dass ich immer wieder nachschauen konnte, wer denn jetzt mit wem und wohin gehörte.


Ich habe das Buch supergerne gelesen und da der Schreibstil auch wirklich sehr eingängig und gut zu lesen ist, war es auch kein Problem mal eben 100 Seiten zu verschlingen.
Irgendwann habe ich dann mal so nebenbei festgestellt, dass dies der zweite Band über Otto den Großen ist, beim Lesen selbst habe ich das aber gar nicht gemerkt. Vielleicht wäre es hilfreich gewesen, den ersten Band auch zu lesen, aber mir würde aus meinem jetzigen Blickwinkel nichts einfallen, wo es mir geholfen hätte.
Vielleicht könnte ich das sagen, wenn ich denn den ersten Band irgendwann gelesen habe, aber so fehlt mir nichts. Man kann dieses Buch unbesorgt auch als Einzelbuch lesen.
Nun werde ich mich mal schlau machen was Rebecca Gablè noch so geschrieben hat, denn dieses Buch wird nicht das Einzige bleiben, vielmehr habe ich jetzt schon Lust gleich das Nächste von ihr zu lesen.

Vielen Dank an den Bastei Lübbe Verlag für dieses Rezensionsexemplar.