Sonntag, 20. August 2017

Rezension " Es " von Stephen King




  • Taschenbuch
  • Heyne Verlag)
  • 1533 Seiten
  • 2017
  • ISBN: 9783453504035
  • 14,99 Euro

Klappentext:
In Derry, Maine, schlummert das Böse in der Kanalisation: Alle 28 Jahre wacht es auf und muss fressen. Jetzt taucht "Es" wieder empor. Sieben Freunde entschließen sich, dem Grauen entgegenzutreten und ein Ende zu setzen.
Stephen Kings Meisterwerk über die Mysterien der Kindheit und den Horror des Erwachsenseins.
( Quelle: Heyne Verlag )

Kurze Zusammenfassung:
Ein kleiner Junge lässt im Regen sein Papierboot schwimmen, doch das Boot treibt geradewegs in einen Gully. Als der Junge sein Boot zurück holen möchte kommt ihm aus der Kanalisation ein Clown mit bunten Luftballons entgegen. Freundlich will er dem Jungen das Boot zurückgeben, packt ihn aber im nächsten Augenblick und tötet ihn.
28 Jahre später werden drei junge Männer wegen Mordes verurteilt. Sie sollen einen anderen Mann getötet und von einer Brücke geworfen haben. Sie gestehen, einen Toten von der Brücke geworfen zu haben, aber den Mord hätte ein Clown begangen.
Natürlich glaubt ihnen niemand und so werden sie wegen Mordes verurteilt.
Einzig Mike, der Bibliothekar der Stadt spürt das "Es" wieder kommt, die Dinge von vor 28 Jahren beginnen sich zu wiederholen. Mike alarmiert seine Jugendfreunde und der "Club der Verlierer" muss sich seinen Erinnerungen und einem uralten Schrecken stellen.
Die Freunde müssen sich in Derry treffen und als endlich alle dort angekommen sind, sind schon neun Kinder unter den Opfern von "Es".
Die Zeit beginnt zu drängen, doch die Freunde müssen sich erst ihren alten Konflikten stellen, bevor sie in den Kampf ziehen können.

Fazit:
Episch!
Damals, als "Es" das erste mal erschien, durfte ich das Buch nicht lesen. Auch wenn ich gedurft hätte, ich hätte mich bestimmt auch nicht getraut. Grusel ist nicht so meins. Jetzt aber wollen meine ( nicht mehr kleinen) Kinder in den Film gehen und da musste ich nun doch zumindest das Buch lesen um mitreden zu können ;)
Etwas mulmig war mir ja schon vor den ersten Seiten, aber eine echte Buchsüchtige kennt keinen Schmerz ...... :D
Tatsächlich ist das Buch stellenweise wirklich gruselig. Ich hatte keine Angst oder so, aber es hat mich zwischendurch mächtig gegruselt.
Aber ich habe es als Preis angesehen, den ich bezahlen muss, um dieses epische Werk über Freundschaft, Vertrauen, Schuld, tiefer Ängste und Erwachsen werden zu lesen.
Die Freundschaft der Jungen, bzw. die gemeinsame Aufgabe im Erwachsenenalter erinnerte mich etwas an "Stand by me" von King. Dort ging es auch um Kinder, an der Schwelle zum Erwachsen werden und den Schrecken, den die Welt bieten kann.
Die Geschichte wird im Heute  und auch in der Vergangenheit erzählt, zwischendrin gibt es immer wieder Zwischenspiele aus der Stadtgeschichte. Man muss also beim Lesen immer etwas hin und her switchen, am Anfang stört es ein bisschen, aber man liest sich schnell ein und es macht die Geschichte runder.
Ansonsten gibt es unglaublich viele verschiedene Handlungsstränge die sich zum Teil erst zum Schluss verbinden.
Es ist also auch Aufmerksamkeit beim Lesen gefordert. Aber die Aufmerksamkeit fällt nicht schwer, denn die Figuren sind so detailliert ausgearbeitet und so lebensnah beschrieben, dass ich kein Wort verpassen wollte.
Ich finde es faszinierend 1500 Seiten zu füllen, ohne das es zu nennenswerten Längen kommt und die Spannung, für mich, eigentlich durchweg erhalten blieb.
Es ist schlicht und ergreifend ein Epos und packt so derart, dass 1500 Seiten rasend schnell durchgelesen sind.

Vielen Dank an den Heyne Verlag für dieses Rezensionsexemplar



Rezension " Lüge " von Steffen Jacobsen



  • Lene Jensen und Michael Sander Bd. 3
  • Heyne Verlag
  • 480 Seiten
  • 2017
  • ISBN: 9783453438835
  • 16,99 Euro
Klappentext:
Die dänische Gesellschaft Nobel Oil kennt keine Skrupel, sich die gigantischen Rohstoffvorkommen in der grönländischen Diskobucht zu sichern. Die Einwohner sind alarmiert, Umweltaktivisten agieren zunehmend rabiat. Als der Chef-Geologe des Bohrungsgeländes tot aufgefunden wird und ein USB-Stick mit brisanten Informationen verschwindet, werden Kommissarin Lene Jensen und Ermittler Michael Sander angeheuert, den Fall aufzuklären. Alle Spuren verweisen auf einen Täter aus der militanten Umweltaktivisten-Szene. Doch scheinen diese Hinweise fingiert zu sein, und Jensen und Sander beginnen, auf eigene Faust zu ermitteln. Bis sie erkennen, dass sie nur Bauernopfer sind in einem unerbittlichen Kampf um Geld, Prestige und Macht.
( Quelle: Heyne Verlag )

Kurze Zusammenfassung:
Der Chef-Geologe des Ölkonzerns Nobel Oil macht eine erschreckende Entdeckung, die der Ölförderung in der grönländischen Diskobucht gefährlich werden kann.
Für Nobel Oil wäre eine Veröffentlichung der Daten eine Katastrophe und so soll der Geologe Paul Holm die Daten vorerst zurück halten.
Doch nur kurz darauf wird Paul ermordet. Nach einer Nacht mit dem Nobel Oil Mitarbeiter Rasmus Nordstrand, der aber nicht das ist was er vorzugeben scheint.
Nordstrand ist weder homosexuell noch ein treuer Mitarbeiter, denn er gehört auch der Umweltorganisation "Poseidons Krieger" an.
Nordstrand wird als Täter identifiziert, doch auch Nordstrand wird umgebracht.
War er ein Zeuge oder doch der Mörder?
Lene Jensen ist sich sicher, dass Nordstrand der Täter ist, doch an dem Mord und an Nordstrand hängt noch mehr als eine reine Beziehungstat.
Schnell merkt sie, dass Nobel Oil tiefer in die Morde verstrickt ist, als es von außen scheint und als alle Ministerien und Geheimdienste Jensen zum Schweigen bringen wollen ist klar, dass der Mord an Paul Holm kein einfacher Mord ist, sondern ein Schachzug im Kampf um Öl und Macht.

Fazit:
Ein super skandinavischer Krimi. Klassisch nordisch und hochspannend!
Dies ist mein erstes Buch mit Lene Jensen und Michael Sander und ich finde beide Ermittler richtig gut.
Lene Jensen erinnert ein wenig an Kommissarin Lund ( bekannt aus dem Fernsehen ), vom Typ her und von der Art sich über Grenzen hinwegzusetzen.
Jensen ist Ende 40 und ein ganz schönes "Hau drauf". Sie boxt und kämpft als Sport und auch während der Ermittlungen hat sie kein Problem sich in den Kampf zu stürzen.
Autoritäten und Regeln werden nebenbei beachtet und auch nur, wenn sie die Ermittlungen nicht hemmen.
Anscheinend hat Jensen ein schweres Schicksal hinter sich, es ist am Rande zu lesen und spielt keine so große Rolle, erklärt aber die Persönlichkeit.
Michael Sander steht auf der "anderen Seite", er ist Auftragsermittler und macht sich dabei ganz schön die Hände schmutzig.
Auch Sander hat ein schweres Schicksal, Scheidung, Trennung von den Kindern und regelmäßige Selbstmordversuche seiner Schwester bringen ihn oft an seine Grenzen.
Sander wird im Verlauf des Buches berührbarer und bringt sich dadurch in große Gefahr.
Auch Jensen schwebt in Gefahr, denn obwohl sie den Auftrag von ganz Oben hat, die Dinge ruhen zu lassen, ermittelt sie weiter.
Diese Paarung und die drohende Gefahr bringt ganz schön Tempo in das Buch und lassen einen die fast 500 Seiten ratzfatz weglesen.
Insgesamt ist es ein guter  skandinavischer Krimi mit tollen Ermittlern, die mir Lust auf die ersten beiden Bände gemacht haben.

Vielen Dank an den Heyne Verlag für dieses Rezensionsexemplar


Sonntag, 13. August 2017

Rezension " Spectrum " von Ethan Cross



  • Taschenbuch
  • Bastei Lübbe Verlag
  • 1. Aufl. 2017
  • 509 Seiten
  • 2017
  • ISBN: 9783404175550
  • 11 Euro

Klappentext:
August Burke ist anders. Irgendwie seltsam, geradezu wunderlich. Doch Burke ist auch ein Genie: Er erkennt Zusammenhänge, die allen anderen verborgen bleiben. Als es in einer Bank zu einer Geiselnahme kommt, wendet das FBI sich an ihn. Denn die Täter verhalten sich extrem ungewöhnlich und verschwinden schließlich sogar unbemerkt aus dem umstellten Gebäude. Mit Burkes Hilfe entdeckt das FBI den Zugang zu einem Geheimlabor unter der Bank - das eigentliche Ziel des Überfalls. Was haben die Räuber dort gesucht? Und haben sie es gefunden? Zusammen mit Special Agent Carter folgt Burke ihrer Spur - und bekommt es mit einem Feind zu tun, der bereit ist, tausende Menschenleben zu opfern.
( Quelle: Bastei Lübbe Verlag )

Kurze Zusammenfassung:
Krüger ist ein Raubtier. Krüger ist ein Killer. Ein skrupelloser Mörder, ein Massenmörder ohne Gewissen.
Nun erledigt er seinen letzten Auftrag, nur noch diesen einen Auftrag, dann will er sich zur Ruhe setzen. Doch ausgerechnet bei diesem Auftrag spürt Krüger ein Gewissen und die Toten von dem vorhergehenden Auftrag lassen ihm keine Ruhe.
Und genau dieser Auftrag hat Isabel Price auf den Plan gebracht. In einem unvorstellbaren Gemetzel hat Krüger Isabels Ziehsohn getötet und Isabel will Rache um jeden Preis.
Von Südafrika bis Las Vegas ist Isabel schon gereist um Krüger zu finden.
Krüger ist tatsächlich in Las Vegas zu finden, denn genau hier erledigt er diesen letzten, wichtigen Auftrag.
Er bricht in den angeblich 100 % sicheren Tresorraum von GoBox ein, vorher nimmt er Kunden und Mitarbeiter von GoBox als Geiseln und sorgt dafür das sie einen furchtbaren Tod sterben.
Sam Carter und Nic Juliano haben nicht die geringste Ahnung was die Geiselnehmer in GoBox wollen, warum sich die CIA einmischt und warum Krüger auf Zeit spielt.
Der einzige, der etwas Licht in diesen undurchsichtigen Fall bringen könnte ist August Burke. August ist ein Asperger Autist, hochbegabt und noch ziemlich jung. Trotzdem, oder vielleicht gerade deswegen gibt Burke entscheidende Hinweise. Doch trotz dieser Hinweise tappen die Ermittler zu lange im Dunklen ...

Fazit:
Ich liebe die Bücher von Ethan Cross. 
Obwohl ich, ganz ehrlich, im ersten Augenblick etwas enttäuscht war, dass sich dieses Buch nicht um Francis Ackermann Junior dreht.
Doch diese Enttäuschung war nach den ersten Seiten verschwunden und mit August Burke und seiner Geschichte bin ich genauso zufrieden ;)
Ethan Cross stellt die Abgründe zu denen Menschen fähig sind mit einer fast antiseptischen Distanz dar. Wir lesen, was passiert ist, was ein skrupelloser Massenmörder tut, aber es ist eine fast klinische Beschreibung, emotionslos, wie ein Tatsachenbericht.
Im Gegensatz dazu beschreibt er das Innenleben der Protagonisten äußerst lebendig und fast überquellend.
Ich kenne es in der Regel genau anders herum. Die Taten sind in den meisten Romane lebendig und voller moralisch wertender Adjektive beschrieben, sodass man das Geschehen in den blühendsten Farben vor sich sieht und z.B. das Innenleben der Täter fällt fast ganz weg. Als wäre der Täter nur Instrument um dem Buch eine Berechtigung zu geben.
Bei Ethan Cross ist der Täter nicht nur Instrument, der einem Buch zum Leben verhilft, einer Story Farbe verleiht, Ermittlern einen Job gibt, sondern sind sie zwar grausame Wesen aber dennoch Menschen mit Ängsten, Hoffnungen, Gedanken und Zerrissenheiten.
In den anderen Büchern von Ethan Cross, drehte es sich um den Massenmörder Frank Ackermann Junior, der zu den grausamsten Mördern seiner Zeit zählt, aber wir lernen auch die menschliche Seite von Ackermann kennen, seine eigenen Moralvorstellungen und seine eigene Ethik.
Meist lesen wir über Killer, dass sie ganz ohne Moral und Ethik wären, Ethan Cross gibt seinen Monstern aber auch diese Charakterzüge. Das hebt den "Bösen" auf eine ganz andere menschliche Ebene und macht damit den Handlungsablauf unvorhersehbarer.
Hier, in diesem Roman ist Krüger der Killer und auch er bekommt sehr menschliche Eigenschaften. Er leidet zunehmend an einer posttraumatischen Belastungsstörung und setzt sich immer mehr mit seinen Taten auseinander. Er beginnt seine Taten zu erkennen und sieht sich mehr und mehr als Monster.
Das macht ihn natürlich verwundbar.
Auch August Burke sieht sich gelegentlich als Monster, als Freak. Durch seinen Asperger Autismus steht er in sozialen Interaktionen immer Außen und wirklich Verbindungen zu anderen Menschen kann er kaum eingehen.
August erkennt auch seine Taten, wenn er zum Beispiel durch seine Art Menschen zutiefst verletzt und auch er leidet unter diesen Taten, doch er kann es nicht ändern, denn ihm fehlt, durch seine Erkrankung, einfach die Empathie um zu fühlen, wann er eine Grenze erreicht und wann er sie überschreitet.
Trotzdem, oder eher durch diese Eigenschaften ist Burke ein genialer Ermittler, der von Cross auch supersympathisch beschrieben wird.
Ich fand das Buch spannend und hat mich auch gelegentlich zum Denken angeregt. Sehr interessant war es in die andersartige Welt von Burke einzutauchen und auch durch Krügers Augen zu schauen.
Aber auch alle anderen Personen waren gut und interessant beschrieben und passten sehr gut in die Geschichte.
Ich freue mich über diese neue Serie und warte nun auf den nächsten Band.

Vielen Dank an den Bastei Lübbe Verlag für dieses Rezensionsexemplar